Work in Progress

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Work in Progress ist eine Veranstaltung der Hamburg Kreativ GmbH mit Kampnagel

Aktuelles

WIP'15 diskutiert den Wert von Arbeit

WIP'15 diskutiert den Wert von Arbeit

Foto: JD Hancock CC BY 2.0

19.01.2015

„Work in Progress“, der Hamburger Kongress zu Zukunft der Arbeit geht in die nächste Runde

Nach drei erfolgreichen Jahren wird auch in diesem Jahr – vom 12. bis 14. März 2015 – drei Tage lang auf Kampnagel in Hamburg über den Wandel der Arbeitswelt diskutiert. „Work in Progress 2015“ beschäftigt sich mit dem „Wert von Arbeit“ aus individueller, unternehmerischer und gesellschaftlicher Perspektive und möchte Wertschöpfung, Wertschätzung und Verwertung neu denken.

Der Wert von Arbeit wird meist über den Arbeitslohn ausgedrückt, der sich an ihrer ökonomischen Verwertbarkeit bemisst. Formen ökonomisch nicht relevanter, gesellschaftlich jedoch ebenso notwendiger und persönlich fordernder Arbeit, sind in aller Regel unterbezahlt. Gleichzeitig fehlt es auf Unternehmensebene oft an Formen nicht-ökonomischer Wertschätzung. Wie kann es erreicht werden, dass Tätigkeiten in Gesundheit, Sozialem, Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft – Tätigkeiten, deren soziale Relevanz als hoch, ihr ökonomischer Wert als gering eingeschätzt wird – besser vergütet werden? Und umgekehrt: Wie können Unternehmen auf die heterogenen Vorstellungen und Erwartungen seitens der Arbeitnehmer_innen reagieren, die sich etwas anderes wünschen als rein finanzielle Entlohnung? Welche Form der Anerkennung möchte ich persönlich für meine Arbeit erhalten?

Im Wettstreit um die besten Köpfe verschieben sich die Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die nachfolgenden Generationen verlangen nach mehr Freiheit, Sinn und Selbstverwirklichung. Frithjof Bergmann hat den Begriff New Work geprägt und meint damit, dass neue Arbeit weit mehr als Lohnarbeit ist und Raum für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit lässt. Sind wir auf dem Weg ins Zeitalter der neuen Arbeit oder profitieren nur ausgewählte Fachkräfte? Wie kann es gelingen, dass soziale und ehrenamtliche Tätigkeiten eine höhere Wertschätzung erhalten?

Die Grenzen zwischen Lebens- und Arbeitswelt verwischen. Die allgegenwärtige Aufforderung „Do what you love!“ ermuntert, Arbeit nicht allein als Lohnarbeit zu verstehen, sondern als Möglichkeit seine individuelle Interessen und Fähigkeiten auszuleben. Immer mehr Menschen folgen dem Bedürfnis, sich im Beruf selbst zu verwirklichen. Allerdings liegen Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung oft nah beieinander. Viele Künstler leben am Rande des Existenzminimums. Der Wandel der Arbeitswelt eröffnet neue Spielräume und gewährt Freiheiten, doch bedarf gelebte Freiheit nicht einer soliden finanziellen Basis? Wie können sich Künstler, Kreative und Wissensarbeiter solidarisieren und trotz individualisierter Berufsbiografien gemeinsam für verträgliche Arbeitszeiten, gerechte Löhne und soziale Absicherung eintreten?

Die Digitalisierung, der demografische Wandel und der Wertewandel verändern die Arbeitswelt. Was verlockend klingt, stürzt die Arbeitswelt in eine Revolution, die fasziniert und zugleich verunsichert. Wissen ist überall und jederzeit zugänglich und virtuelle Güter können nahezu kostenlos vervielfältigt werden. Mit der Digitalisierung entstehen neue Geschäftsmodelle, alte sind nicht mehr tragfähig. Wird sich der Kapitalismus, wie von Rifkin prophezeit, in Nischen zurückziehen? Wer sind die Gewinner und wer sind die Verlierer der Digitalisierung?